Körperliche Aktivität fördert psychische Gesundheit
Welche Sportarten können die Sehkraft verbessern?

Heilmittel Sport – die Heilkraft der Bewegung
Ob Krebs, Depressionen oder Alzheimer: Die erstaunliche Heilkraft der Bewegung wird entdeckt. Bisher empfahlen Ärzte körperliche Aktivität und Sport meist als Prophylaxe, um den Ausbruch von Krankheiten und Leiden zu vermeiden. Doch seit Kurzem kommt die Bewegung in die ganze Medizin. Psychologen, Psychiater und Onkologen, ebenso Orthopäden, Demenzforscher und Kardiologen erkennen: Den Körper in Gang zu setzen durch Bewegung hilft Menschen auch dann, wenn sie schon längst krank sind, häufig besser als teure Tabletten und Hightech-Medizin. In vielen Fällen ist dosiertes Training eine Ergänzung bewährter Therapien. Sie kann gesundmachende Zellen im Körper wachsen lassen und Krankheitsverläufe umkehren.
Auch den Einfluss von Inaktivität auf gesunde Menschen haben Forscher neu bewertet: Der unter Büroangestellten und Ärzten so verbreitete Minimalgebrauch der Muskeln kann demnach fast so schädlich sein wie das Qualmen von Zigaretten. Die Sterblichkeitsrate träger Menschen liegt bis zu einem Drittel höher als jene reger Vergleichspersonen. Auf eines ist das Erfolgsmodell Homo sapiens gar nicht eingestellt: Bewegungsarmut.
Milliarden von Menschen verbringen die meiste Zeit ihres Tages im Sitzen oder im Liegen.
Bewegungsmangel führt zu chronischen Krankheiten: „Viele Ärzte empfehlen (immer noch) bei verschiedenen Krankheiten körperliche Schonung oder raten von jeglicher körperlicher Aktivität ab“, klagt der Remscheider Internist Herbert Löllgen im „Deutschen Ärzteblatt“. Doch gerade bei Stoffwechselerkrankungen und Gelenkverschleiß sei Nichtstun „meist kontrainduziert“ und verschlechtere sogar die Lebensqualität. Manche Ärzte gehen dazu über, selbst manchen schwerkranken Patienten Ergometer aufs Krankenzimmer zu stellen.
Bewegung verbessert demnach die Lebensqualität und stärkt die körpereigene Krebsabwehr.
Im Körper eines jeden Menschen, der sich nicht täglich mindestens eine halbe Stunde lang ertüchtigt, herrscht Ausnahmezustand. In den Zellen und Geweben laufen permanent krankmachende Vorgänge ab, und es scheint nur eine Frage der Zeit, bis sich diese in Krankheitssymptomen und Beschwerden äußern.
Gäbe es eine Pille, die alle positiven Effekte des Laufens vereinigen würde, wäre sie wohl das meistgefragte Arzneimittel - und würde schätzungsweise die Hälfte aller Internisten arbeitslos machen.

Auf den ersten Blick entspricht der Arbeitsplatz des kalifornischen Psychiaters Wayne Sandler dem Klischee: an der Wand hängen Bilder von Sigmund Freud, in einem Glasschrank liegen Lehrbücher der Hirnanatomie, und ein Sofa gibt es natürlich auch.
Doch dann ist da noch etwas, das hier gar nicht hinzu zu gehören scheint: zwei Laufbänder.
„Immer wieder haben mir Patienten gesagt, wie wohl sie sich fühlen, wenn sie sich einmal richtig bewegen“, erzählt Sandler, dessen Praxis im neunten Stock eines Hochhauses im reichen Century City District von Los Angeles gelegen ist. Doch, so klagten die Gemütskranken, sie fänden keine Zeit oder fühlten sich einfach zu labil, um Sport zu treiben. Aus diesem Grund beschloss Sandler. Seine Gesprächstherapie mit körperlicher Ertüchtigung zu kombinieren.
Etwa die Hälfte der depressiven oder angstgestörten Patienten bringen mittlerweile Laufschuhe mit, wenn sie einen Termin bei Doc Sandler haben.
Der drahtige Arzt, der selbst jeden Tag Gewichte stemmt oder auf dem Ergometer strampelt, schlüpft dann in seinen schwarzen Sportdress. Die Laufbänder hat Sandler gegenüber aufgestellt, so dass er seinem Patienten ins Gesicht schauen kann. Zwei Startknöpfe klicken, die Therapie im Traben kann beginnen.
Zwar verschreibt Sandler einigen seiner Patienten nach wie vor Psychopillen wie die Modedroge Prozac. Jedoch ist er davon überzeugt, dass Bewegung mitunter eine gestörte Gehirnchemie besser ins Gleichgewicht bringt als Medikamente. Seine Lauf-Kundschaft jedenfalls sei begeistert, berichtet der Psychiater, der das Training mittlerweile wie eine Arznei verschreibt: »Bewegung wird jetzt Ihre Medizin sein – und Sie brauchen davon jeden Tag mindestens 30 Minuten.«
Bewegung verbessert den Austausch von Botenstoffen im Gehirn und kann dadurch Schwermut und Gehirnverkalkung entgegenwirken. Offenbar lässt sie sogar neue Nervenzellen wachsen.
Wer sich dreimal in der Woche eine halbe Stunde lang körperlich betätigt, so entdeckten beispielsweise Forscher der amerikanischen Duke University in einer Vergleichsstudie, schützt sich genauso wirksam gegen Missmut und Trauerattacken wie Menschen, die täglich Stimmungsaufheller schlucken.
Im Verlauf einer achtjährigen Beobachtungszeit entwickelten körperlich aktive Frauen nur halb so oft Depressionen wie eine Kontrollgruppe ohne sportliche Betätigung.
Als bestes Gute-Laune-Training gilt Ausdauer-Sport: Experten behaupten, dass er das psychische Befinden stärker beeinflusst als etwa Krafttraining.
Trainieren in der Gruppe bekämpft die Einsamkeit. Isolation lässt sich nur überwinden, wenn das Training gemeinsam mit anderen ausgeübt wird. Der Deutsche Sportärztebund empfiehlt deshalb unter anderem Gymnastik, Ballsportarten und Tanzen.
Sport tut sowohl dem Körper als auch der Seele gut: Sport und Bewegung können laut Experten seelischen Störungen und Erkrankungen vorbeugen. Das teilt die Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie und Nervenheilkunde (DGPPN) in Berlin mit. „Um die mentale Gesundheit zu erhalten und zu fördern, hat sich Ausdauertraining wie Laufen, Walken und Schwimmen als besonders vorteilhaft erwiesen“, rat DGPPN-Präsident Prof. Fritz Hohagen. Es reduziere Depressivität und Ängstlichkeit, hebe die Stimmung und stärke das Selbstbewusstsein.
Aber auch Patienten mit Depressionen, Angststörungen, Sucht-Problemen oder einer Alzheimer-Demenz profitieren bei der Krankheitsbewältigung sehr von körperlicher Aktivität, heißt es in einem neuen Handbuch der DGPPN.
Regelmäßiges Training stärkt das Selbstbewusstsein und hebt die Stimmung. Viele Models und Schauspielerinnen wissen es: Wenn man mit Hanteln die Oberarme trainiert, bessert sich das Selbstbewusstsein.
Madonna, Demi Moore, Linda Hamilton und viele andere üben regelmäßig. Denn danach hat man weniger Ängste und ein Gefühl von innerer Stärke und Standfestigkeit.
Joggen oder Laufband mit Hanteln (0,5 bis 2,5 kg) ist eine komplette Sportart, die nicht nur das Selbstwertgefühl stärkt, sondern auch fast alle Muskeln des Körpers trainiert. Positive Langzeit-Effekte treten erst dann auf, wenn das Training regelmäßig wiederholt wird. Das Selbstwertgefühl nimmt zu, Ängstlichkeit und Verstimmungen nehmen ab, die Konzentrations- und Koordinationsfähigkeit wird besser.
Natürliche Drogen durch Laufen: Wer läuft, reduziert sein Körperfett und seinen Cholesterinspiegel, stärkt Kreislauf und Immunsystem, fördert die Sauerstoffaufnahme und damit die Gehirnfunktionen, baut Stresshormone ab und dafür Glücks- und Kreativitätshormone auf (Endorphine, ACTH).
Kurzum: Läufer sind gesünder, gescheiter und glücklicher als Nichtläufer.
„Was oft als Alternsvorgang verstanden wird“, sagt der Sportmediziner Heinz Mechling von der Universität Bonn, „ist in hohem Maße das Resultat von Inaktivität.“
Milliarden geben die Deutschen aus für die Produkte der Anti-Aging-Industrie; doch bisher haben alle Pillen, Hormone, Frischzellspritzen, Vitaminkuren und orthomolekularen Verfahren kläglich versagt.
Es gibt nur einen Jungbrunnen – aber wer davon trinken will, muss sich anstrengen. „Nachweislich“, so der Remscheider Internist Löllgen, „vermag nur regelmäßige körperliche Aktivität den biologischen Alterungsprozess aufzuhalten.“
Weil im bewegungsfaulen Körper die biochemischen Kreisläufe stocken, ballen sich beispielsweise die Blutfette vermehrt zu Gallensteinen: Trägen Personen wird häufiger als dem Rest der Bevölkerung die Gallenblase entfernt. Und weil im lahmen Leib die Verdauung schleppend abläuft, vergrößert sich die Kontaktzeit mit krebsauslösenden Stoffen aus der Nahrung:
Inaktive Menschen haben ein 50 % erhöhtes Risiko, vom Dickdarmkrebs heimgesucht zu werden.
Sport hat alle Chancen, sich als die naturheilkundliche Methode schlechthin durchzusetzen. Bei Krebs und Herz-Kreislaufleiden verbessert eine regelmäßige Ausdauerbetätigung die Prognose beträchtlich. Neu ist seit einiger Zeit eine Spezialanwendung der Bewegungstherapie im Falle von Tinnitus, den quälenden Ohrgeräuschen.
Bekannt wurde die Behandlungsweise als „Brügger-Therapie“ (nach ihrem Erfinder, dem Schweizer Arzt Dr. Alois Brügger). Dabei analysiert und identifiziert man zuerst „individuelle Fehlbelastungsmuster“ beim Patienten.
Dann wird daraus ein ebenfalls auf den Einzelfall zugeschnittenes Programm an Aktivitäten und unterstützenden physiotherapeutischen Maßnahmen entwickelt. Über die Bewegung – so zeigen sich Spezialisten wie Prof. Dr. Claus-F. Claussen (Würzburg) überzeugt – sind wir in der Lage, „das Gehirn dahingehend zu beeinflussen, dass der Tinnitus verschwindet!“

Auch Carolyn Kaelin glaubt an die Heilkraft der Bewegung. Im Sommer 2003 erkrankte sie an Brustkrebs.
Da war sie gerade 42 Jahre alt. Chemotherapie und fünf Operationen haben die Frau nicht davon abhalten können, so häufig wie möglich ins Fitnessstudio zu gehen und jeden Tag zur Arbeit zu laufen: „Es ist die einzige Sache, die ich für mich tun kann, von der ich weiß, dass sie nützlich ist.“
Carolyn Kaelin kennt sich aus. Sie gehört zu den bekanntesten Brustkrebs-Chirurginnen der USA und leitet das Comprehensive Breast Health Center des Bringham and Women´s Hospital, das zur Harvard Medical School gehört. Wer ihr strahlendes Lächeln sieht und ihre Vitalität spürt, mag nicht glauben, welchen Leidensweg sie gegangen ist. Doch gerade das nährt die Hoffnung ihres Publikums.
Eine wachsende Zahl von Studien, berichtet Kaelin in ihrem kürzlich erschienenen Buch, zeige:
„Körperliche Bewegung kann das Leben von Brustkrebspatientinnen verlängern und die Wahrscheinlichkeit von Rückfällen verringern.“
Werde ein Brustkrebs diagnostiziert, empfiehlt die attraktive Chirurgin, sollte die betroffene Frau so schnell wie möglich mit einem Fitness-Programm beginnen: „Ihnen mag überhaupt nicht danach zumute sein. Aber ich glaube, es kann wahrlich Ihr Leben retten.“
Um den Krieg gegen Übergewicht und chronische Krankheiten zu gewinnen, halten Physiologen regelmäßige Bewegung inzwischen für wirksamer als Diäten und das ewige Auf-die-Waage-Schielen.
Eine wissenschaftliche Auswertung ergab: Seit 50 Jahren wechseln Diätmoden einander ab, ohne dass auch nur eine Wunderkur gefunden worden wäre. Wer eine Diät 15 Wochen lang durchhält, kann zwar an die 11 Kilogramm verlieren. Allerdings ist der Effekt spätestens nach drei Jahren verpufft und das alte Gewicht wieder erreicht.

Durch Trägheit und Überernährung verursachter Diabetes (Typ 2) lässt sich durch bessere Ernährung und sportliche Betätigung umkehren. Der Insulinhaushalt normalisiert sich. Neue Studien haben bewiesen, dass mit dem Verzicht auf stark zuckerhaltige Nahrung und täglich einer halben Stunde Sport der Altersdiabetes verhindert werden kann. Wie Andreas Pfeiffer vom Deutschen Institut für Ernährungsforschung in Postdam-Rehbrücke erklärt, nahmen an der Untersuchung 3000 Menschen mit erblicher Diabetes-Veranlagung teil. Bei 60 % sei die Zuckerkrankheit durch die entsprechenden Vorsichtsmaßnahmen noch nicht ausgebrochen. Die Erkrankung kann jedoch durch einen gesunden Lebensstil in vielen Fällen verhindert werden.
Das Institut für Sportmedizin in Münster weist darauf hin, dass Bewegung nachweislich bei Kopfschmerzen hilft. Sport beeinflusse positiv die Schmerzwahrnehmung und die Stimmung. Regelmäßiger Ausdauersport fördert die Durchblutung, regt den Stoffwechsel an, aktiviert Muskeln und Gelenke und trägt dazu bei Stress abzubauen.
Auch rheumatische Kniegelenke sind bis heute eine Domäne der Medizinindustrie: Entweder werden Arthritismedikamente verschrieben, oder es werden künstliche Kniegelenke eingesetzt. Die Forscherin Miriam Nelson von der Tufts University in Boston jedoch glaubt herausgefunden zu haben, dass es auch ganz anders geht:
Geplagte Patienten können sich selbst womöglich am besten helfen – indem sie die Muskeln ihrer schmerzenden Beine gezielt kräftigen.
Mit ihren Kollegen hat Nelson ein 6-Wochen-Training entwickelt, das man mit einem Stuhl und Gewichten an den Knöcheln zu Hause durchführen kann. Nach wissenschaftlichen Kriterien wurde das Programm mit Nichtstun verglichen.
Die Sportler berichteten über deutlich weniger Schmerzen und konnten 17 verschiedene körperliche Aufgaben weit besser bewältigen als die inaktiven Kontrollpersonen. Miriam Nelson sagt: „Auf einmal konnten Leute, die Alltagsaktivitäten aufgrund ihrer Arthritis als immer schwieriger und schmerzhafter empfanden, wieder am Leben teilnehmen, wie es ihnen jahrelang nicht mehr möglich war.“
Kreuzschmerzen sind ein weiteres Leiden, bei dem Bewegung als Schlüssel zur Selbstheilung entdeckt wird.
So fanden englische Orthopäden in diesem Frühjahr heraus, dass ein Trainingsprogramm bei Rückenschmerzen genauso wirksam, darüber hinaus aber billiger und sicherer ist als die Versteifungsoperation, bei der die Wirbel mit Schrauben und Stäben miteinander verschränkt werden.
70 % der Rückenschmerzen haben als Ursache Muskelverspannungen in der Rückenmuskulatur. Körperliche Aktivität löst Verkrampfungen und der Körper bildet sogar Endorphine – Glückshormone – die eine ähnliche Struktur wie Morphium haben und Schmerzen lindern können.
Gegen Rückenschmerzen hilft Betroffenen vor allem, selbst aktiv zu werden: Besonders Radfahren, Schwimmen und Laufen (Joggen, Laufband) beugt Rückenleiden dauerhaft vor, erläutert Reinhard Schneiderhan, Vorsitzender der Deutschen Wirbelsäulenliga in München.
Diese Sportarten seien rückenfreundlich.
Allgemein gelte, dass Rückenschmerzen häufig durch Bewegungsmangel entstehen. Sport dagegen fördert eine gleichmäßige Ausbildung der Muskulatur, sagt der Experte - diese stütze das Rückgrat und entlaste die Bandscheiben.
Muskelaufbau schützt vor Rückenschmerzen und Knochenschwund
"Krafttraining ist für jeden sinnvoll", sagt der Sportmediziner Prof. Klaus Völker von der Universität Münster.
Werden die Muskeln regelmäßig beansprucht, regt das die Muskelfasern zum Wachstum an. Die Fasern lagern während der Erholungsphase nach dem Training vermehrt Proteine ein und wachsen in die Breite: Aus dünnen Fäden werden kräftige, dicke Seile. Das geschieht aber nur, wenn die "Fäden" im Training über die Normalbelastung hinaus gefordert wurden.
Ohne Schweiß geht das nicht! "90 Prozent der Leute wollen sich nicht anstrengen", sagt Michael Branke, Diplom-Sportlehrer bei der Deutschen Fitnesslehrer Vereinigung mit Sitz in Baunatal (Hessen). Wer es doch tut, gewinnt. Menschen, die regelmäßig ihre Muskeln trainieren, haben im Alter von 70 Jahren die gleiche Muskelmasse wie untrainierte 30-Jährige, erklärt der Sportwissenschaftler Klaus Zimmermann aus Zwickau.
Auch die Knochen profitieren von dem Training: Sie werden dichter und stabiler, erklärt Völker. Muskeltraining schützt daher vor Knochenschwund (Osteoporose).
Eine kräftige Muskulatur an Rücken, Brust und Schulterblatt unterstützt zudem die Wirbelsäule und beugt Rückenschmerzen vor. Menschen mit athletischem Körperbau haben weniger häufig mit Gelenkbeschwerden zu kämpfen - von Übergewicht ganz zu schweigen.
Die Muskulatur ist der körpereigene Ofen, in dem die Kalorien verbrannt werden, erklärt Zimmermann. Während des Krafttrainings steige der Kalorienverbrauch auf das drei- bis fünffache der normalen Intensität.
Bewegung und Koordinationstraining vermögen weitaus besser vor Knochenbrüchen zu schützen als Osteoporose-Medikamente.
Kraft- und Koordinationstraining tut auch den Knochen gut und schützt gerade im Alter besser vor Brüchen als Medikamente, wie eine großangelegte Studie ergeben hat.
In den USA wurde das Befinden von 10.000 Frauen über 65 untersucht, und zwar über einen Zeitraum von 5 Jahren. Diejenigen, die pro Woche etwa 2 Stunden trainierten, hatten 36 % weniger Hüftfrakturen als träge Seniorinnen, vermeldete das Fachblatt „Annals of Internal Medicine“.
In absoluten Zahlen ausgedrückt: Im Laufe eines Jahres und bezogen auf 1000 Frauen gab es in der Gruppe der trainierten Frauen 6 gebrochene Hüften weniger als bei den trägen Frauen. Dieser Effekt ist zweimal so groß wie jener, den man in einer Studie durch das Schlucken teurer Osteoporose-Tabletten erreichen konnte.
Entscheidend für die Vermeidung von Frakturen ist, dass guttrainierte Menschen erst gar nicht so oft stürzen, weil Körperkraft, Trittsicherheit und Gleichgewichtssinns verbessert werden.
Krafttraining, urteilt der amerikanischen Hausarzt und Medizinautor John Abramson, sei „eine der besten Möglichkeiten, die Knochendichte zu erhöhen und Stürze zu vermeiden“.
Wer regelmäßig seine Muskeln trainiert, ist auch im Alter fit. Weiterer Vorteil des Muskeltrainings: Die Koordination des Bewegungsapparates wird geschult, die Gefahr von Stürzen im Alter verringert. Krafttraining heißt aber nicht, die Hanteln zu stemmen bis der Bizeps das T-Shirt zerreißt. Gutes Muskeltraining müsse den ganzen Körper trainieren, erklärt Branke. Neben Übungen an Kraftmaschinen bieten sich daher auch gymnastische Übungen an. Körperlich fitte Menschen leben statistisch gesehen länger als träge Zeitgenossen; der biologische Alterungsprozess verzögert sich bei ihnen.
Die Forscherin Maria Fiatarone ließ zehn Frauen und Männer, die zwischen 87 und 96 Jahre alt waren und in einem Krankenhaus lebten, acht Wochen lang mit Sport und Gewichten trainieren. Die Muskelmasse an den Oberschenkeln wuchs um zehn Prozent – was die Greise fast dreimal so kräftig machte. Zudem wurden sie trittsicherer und konnten schneller gehen als zuvor. Der Teilnehmer Sam Semansky, damals 93, ließ fortan seine Gehhilfe stehen.
Der durch jahrelange Untätigkeit verursachte Muskelschwund lässt sich durch moderates Krafttraining selbst bei 90 Jahre alten Menschen noch umkehren.
Auch bei herzkranken Menschen, berichtet der Kardiologe Rainer Hambrecht von der Universität Leipzig, sei Bewegung inzwischen als Therapeuticum anzusehen, das man wie ein bewährtes Medikament dosieren kann. Hambrecht: „Patienten mit stabiler koronarer Herzkrankheit können ihre Lebenserwartung erhöhen, wenn sie beginnen, Sport zu treiben.“
Einer aktuellen Übersichtsstudie zufolge kann Sport bei stabiler chronischer Herzinsuffizienz die Wahrscheinlichkeit, daran zu sterben, um etwa 35 Prozent senken.
Der Leipziger Herzspezialist Hambrecht ist frustriert über viele rauchende, immobile und schwergewichtige Patienten, die er nicht zur Änderung ihrer Gewohnheiten bringen kann. Dabei hat er Argumente vorzuweisen, die in der internationalen Fachwelt derzeit für Aufsehen sorgen. Bis ins molekulare Detail können die Leipziger mittlerweile den Einfluss körperlicher Bewegung auf das Herz erklären.
Zu seinem Team an der Universität Leipzig zählen ein Sportlehrer und mehrere Molekularbiologen; in zwei Räumen stehen Laufbänder, Heimtrainer, Fahrräder und ein Ultraschallgerät zur Untersuchung der Herzkranzgefäße bereit.
Das Ergebnis seiner Studie mit Menschen mit Herzmuskelschwäche vermeldeten die Leipziger Anfang April im Fachblatt „Circulation“: Im Vergleich zu elf passiven Herzpatienten hatte sich in den Sportlermuskeln die Aktivität sogenannter Radikalenfängerenzyme deutlich erhöht. Diese Enzyme vernichten Sauerstoffradikale, die den Herzmuskel schädigen und die Pumpschwäche maßgeblich bewirken.
Im Klartext: Durch Fahrradfahren und Spaziergehen kann ein Herzpatient seine Krankheit direkt auf molekularer Ebene bekämpfen.
Es fängt schon damit an, dass im Zuge körperlicher Anstrengung das Blut flotter durch die Adern fließt als im Ruhestand. Die erhöhten Scherkräfte führen dann dazu, dass im Innern der Gefäße ein bestimmtes Enzym vermehrt hergestellt wird. Dieses Enzym wiederum sorgt für die Bildung des Botenmoleküls Stickstoffmonoxid, das seinerseits die Dehnbarkeit der Blutgefäße sicherstellt. Genau diese Fähigkeit ist bei einer Arteriosklerose erheblich eingeschränkt.
Es gilt also: Durch Sport kann man die beginnende Verkalkung seiner Gefäße umkehren.
Diese Effekte lassen sich bei einzelnen Patienten nachweisen. So teilten die Leipziger 100 Männer, deren Herzkranzgefäße schon zu 75 % verengt waren, in zwei Gruppen. Bei der einen Hälfte weiteten die Ärzte Engstellen mit einem aufblasbaren Ballon und setzten Stahlröhrchen, sogenannte Stents, in die verkalkten Gefäße. Den anderen verschrieben sie nichts als Sport, jeden Tag 20 Minuten.
Nach einem Jahr zogen die Kardiologen Bilanz: Von den Sportlern waren 88 % ohne Beschwerden geblieben – bei den Stent-Patienten traf das nur auf 70 % zu. Und mehr noch: Etlichen von Letzteren mussten noch mehr Stents eingesetzt werden, und überdies lagen Sie viel häufiger mit schmerzendem Brustkorb im Krankenhaus.
Körperliche Aktivität normalisiert nicht nur die biochemischen Kreisläufe, sondern lässt in Organen und Geweben neue Zellen heranwachsen.
Das erfuhren die Leipziger Ärzte, nachdem sie 18 Männer mit Raucherbein im Anfangsstadium dazu gebracht hatten, 4 Wochen lang jeden Tag einmal auf dem Laufband zu joggen. Obwohl viele von ihnen nach 50 bis 200 Metern schon am Ende ihrer Kräfte waren, bewirkte die Laufkur selbst in ihren malträtierten Körpern Wunderliches: Die Zahl der zirkulierenden Stammzellen verdreifachte sich; und die zellulären Alleskönner machten sich daran, die kaputten Gefäße von innen zu reparieren.
Bewegung, glaubt Hambrecht, sei womöglich eine „körpereigene Stammzelltherapie“.

Psychiater und Gerontologen lässt dieser Befund der körpereigenen Stammzelltherapie nicht weiter staunen. Auch sie haben mittlerweile Hinweise gefunden, dass körperliches Tun neue Zellen sprießen lässt – im Gehirn. Dabei galt bis vor kurzem noch der umgekehrte Fall als normal: Jeden Tag gehen Tausende Nervenzellen zugrunde. Auf diese Weise wird das Denkorgan mit den Jahren immer kleiner. Zwischen dem 30. und 90. Geburtstag gehen 15 bis 25 % der grauen Zellen verloren.
Der Psychologe Arthur Kramer von der University von Illinois hat diesen Hirnschwund nachweisen können, als er die Köpfe von 55 älteren Menschen mit einem Kernspintomografen durchleuchtete. Er hatte jedoch auch gute Nachrichten zu berichten: Bei jenen Probanden, die bei Tests auf dem Laufband am besten abschnitten, waren die Verluste im Denkorgan deutlich vermindert. Zwar starben auch bei ihnen Zellen ab, jedoch ging das offenbar mit einer erhöhten Neubildung von Neuronen einher.
„Fitnesstraining verbessert die Wirksamkeit und Leistung von Nervenzellen“, sagt Kramer. „Ältere Gehirne sind viel anpassungsfähiger und formbarer, als man es uns beigebracht hat.

Welche Sportarten können die Sehkraft verbessern?